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kültür gemma

Förderung von migrantischer Kulturproduktion

kültür gemma! ist ein Projekt zur Förderung der Stadtkultur in Wien und von migrantischer Kunst- und Kulturproduktion. Im Kern steht eine Ausschreibung von 4 Arbeitsstipendien für migrantische Kulturproduzent_innen. Ziel ist es, erstens die Arbeit von Migrant_innen am kulturellen Feld als Selbstverständlichkeit zu etablieren und zweitens eine Umverteilung von Mitteln und eine Erweiterung von Möglichkeiten zu initiieren, die dazu notwendig ist.

Wie aktuelle Untersuchungen* zeigen, sind Migrant_innen auch im kulturellen Feld mit strukturellen und systematischen Benachteiligungen konfrontiert, die das Projekt ernst nimmt und gegen die es sich richtet.

kültür gemma! möchte sich aktiv einsetzen, hier Möglichkeiten zum Einstieg und zur Etablierung zu schaffen und die Sichtbarkeit und Unabhängigkeit migrantischer Kulturarbeit zu erweitern. Gegenüber den unter dem Motto von “Diversity” gerade auch in Kunst und Kultur praktizierten Politiken der Vereinnahmung und Verwertung von migrantischem “Kapital” bleiben wir gleichzeitig kritisch.

Vier Arbeitsstipendien für ein Jahr

Für die einjährigen Arbeitsstipendien können sich Kandidat_innen aus allen Bereichen von Kunst und Kultur mit einem konkreten Arbeitsvorhaben bei der aktuellen Ausschreibung bewerben. Die Ausschreibung richtet sich an junge Kulturproduzent_innen, die sich selbst als migrantisch, Schwarz, Person of Color, definieren, ohne Vorgaben zu den Herkunftsländern, Nationalitäten oder ähnliches. kültür gemma! versteht Migrant_in als politischen Begriff und als Selbstbezeichnung eines “oppositionellen Standorts” innerhalb einer Mehrheitsgesellschaft.

Präsentation der Arbeiten und Konzepte

Eine 7-köpfige Jury aus verschiedenen Bereichen des kulturellen Feldes wird aus den Kandidat_innen die vier Stipendiat_innen auswählen, die dann ein Jahr lang 1000 Euro pro Monat zur Verfügung haben, um ihr eingereichtes Projekt zu realisieren. Von dem Projekt sollen neben den 4 Stipendiat_innen auch die Bewerber_innen profitieren, deren Konzepte auf der Website publiziert werden. Am Ende des Stipendienjahres werden die entstandenen Arbeiten in einer gemeinsamen Veranstaltung vorgestellt werden. Es wird keine der Repräsentation (allein) dienende Veranstaltung sein, sondern ein produktives Format, das mit Stipendiat_innen und Bewerber_innen gemeinsam erarbeitet wird.

* Vgl. Kunst, Kultur und Theater für Alle! Impulse für eine transkulturelle Theateroffensive. Studie zu Perspektiven der Kunst- und Kulturpolitik Wien 2010 – 2015 mit besonderem Fokus auf Migrationsrealität http://www.iodo.at/studie.htm

3. Ausgabe von kültür gemma! - neue Ausschreibung

Zum dritten Mal vergibt kültüř gemma! 4 Arbeitsstipendien an migantische Kulturproduzent_innen aller Sparten. kültür gemma! versteht Migrant_in dabei als politischen Begriff und als Selbstbezeichnung eines “oppositionellen Standorts” innerhalb einer Mehrheitsgesellschaft. Migrant_innen, Schwarze Menschen und People of Color, sind mit strukturellen und systematischen Benachteiligungen konfrontiert, die das Projekt ernst nimmt und gegen die es sich richtet.

WAS WIRD VERGEBEN?

Vergeben werden von der Stadt Wien 4 Arbeitsstipendien für ein Jahr, die mit monatlich 1.000 Euro dotiert sind. In diesem Zeitraum soll einerseits das eingereichte Vorhaben umgesetzt werden und andererseits der Einstieg in und die Vernetzung im kulturellen Feld unterstützt werden.

WER KANN SICH BEWERBEN? UND MIT WELCHEM VORHABEN?

Eingeladen sind in Wien lebende Kulturschaffende, die sich selbst als Migrant_innen, Schwarze Menschen, People of Color, definieren und dadurch auch am kulturellen Feld nicht mit den Privilegien der Mehrheit rechnen können. Nachdem Chancenungleichheit ein wichtiges Motiv von kültür gemma! ist, richtet sich die Ausschreibung weniger an jene, die ihren Weg oder ihren Platz im kulturellen Bereich ökonomisch wie symbolisch bereits gefunden haben.

Diese können ein Projektvorhaben einreichen, das sich mit aktuellen gesellschaftspolitischen Fragestellungen jeder Art beschäftigt. Gefragt sind dabei Projekte, die Wien und die Welt, das Lokale und das Internationale oder das Aktuelle und das Historische verbinden.

In Frage kommen Projekte aus allen Bereichen von Kunst und Kultur, auch Arbeiten, die sich in den Grenzbereichen von Kunst und Kultur bewegen und nicht unbedingt die Form eines klassischen Produktes bekommen. Das heißt beispielsweise ein Gedichtband kommt prinzipiell genauso in Frage wie eine temporäre Intervention auf der Strasse, ein Musical genauso wie eine virtuelle Aktion mit social media, ein Super-8-Film genauso wie eine Modeschau.

WAS IST EINZUREICHEN UND BIS WANN?

Interessierte können ab Ende April aus drei Möglichkeiten wählen: ein maximal 2-seitiges Konzept, eine Audio-Datei oder eine Video-Datei, in dem – noch nicht realisiertes und bei kültüř gemma! noch nicht eingereichtes – Arbeitsvorhaben konkret beschrieben wird. Dazu können noch maximal 3 Bilder, Skizzen, Audio-Dateien etc. beigelegt werden. Außerdem ist eine maximal 1-seitige Biografie einzusenden, die es erlaubt, sich über die bisherige Arbeit im kulturellen Bereich ein Bild zu machen (gefragt ist hier nicht der klassische Lebenslauf, sondern eine Beschreibung im selbstgewählten Format). Konzept und Biografie sind möglichst in Englisch oder Deutsch einzureichen; bei Bedarf wird eine Übersetzung aus anderen Sprachen ermöglicht.

WIE WIRD AUSGEWÄHLT?

Eine Jury aus verschiedenen Bereichen des kulturellen Feldes bereits etablierten Expert_innen wird die vier Stipendiat_innen auswählen. Die Jury wird mit einer Vorauswahl von Kandidat_innen ein persönliches Gespräch führen und dann ihre Entscheidung für die vier Stipendiat_innen treffen.

WAS MACHEN DIE STIPENDIAT_INNEN?

Die 4 Stipendiat_innen werden in 12 Monaten ihr geplantes Arbeitsvorhaben umsetzen und dabei von kültüř gemma! begleitet und unterstützt. Nach einer Zwischenpräsentation werden die Arbeiten am Ende in einer öffentlichen Veranstaltung vorgestellt, an der auch alle Bewerber_innen teilnehmen.

Einreichung per E-mail an:
einreichung@kueltuergemma.at
Mehr Information unter www.kueltuergemma.at

3. Ausgabe von kültür gemma!

Neue Ausschreibung

Ende April startet die 3. Ausgabe von kültüř gemma! mit einer neuen Ausschreibung, außerdem wird in Kürze die neue Jury ernannt.

Wir freuen uns, dass wir nach einem erfolgreichen Start das Projekt fortsetzen können und ab Juni 2014 vier weitere Stipendiat_innen für ein Jahr mit einem fixen Einkommen für die Realisierung ihrer eingereichten Arbeit rechnen können.

Die Jury für die 3. Ausgabe wird Mitte April ernannt. Wir freuen uns, engagierte Vertreter_innen aus verschiedenen Bereichen des kulturellen Feldes dabei zu haben. Mehr Informationen dazu folgen in Kürze!

Hier finden Sie die Unterlagen des ersten Pressegesprächs, bei dem die Initiative kültüř gemma!, die Jury und die ersten Stipendiat_innen vorgestellt wurde.

Die Stipendiat_innen der 3. Ausgabe werden im Ende Juni bekanntgegeben.

Für Rückfragen wenden Sie sich bitte an Galia Baeva oder Catrin Seefranz:

baeva@kueltuergemma.at
seefranz@kueltuergemma.at
Tel. 0043 1 208 33 82
Mobil 0043 650 5550250

Kontakt

kültür gemma!
Stadtkulturförderung

Blechturmgasse 12/11a
A-1040 Wien
Österreich

0043 1 208 33 82
00 43 650 5550250
office@kueltuergemma.at
www.kueltuergemma.at

Impressum

Offenlegung nach § 25 Mediengesetz:

Medieninhaber
oca collaborative research
Institut für künstlerische, migrantische und wissenschaftliche Forschung (ZVR 556030873)

Blechturmgasse 12/11a
A-1040 Wien
Österreich

Grundlegende Richtung
Der Verein, dessen Tätigkeit nicht auf Gewinn gerichtet ist, bezweckt die Förderung von transdisziplinärer und translokaler Forschung an der Schnittstelle von Kunst, Migration und Wissenschaft. Der Verein beabsichtigt durch seine Fragestellungen, Methoden und Vorhaben Alternativen zu entwerfen zu jenen disziplinären Trennungen und Verwerfungen, die zu einer notorischen Delegitimierung migrantischer oder auch nicht-akademischer Positionen und Praktiken führen.

Haftungsausschluss und Copyright
(außer im Beitrag anders gekennzeichnet)

Disclaimer
Some rights reserved

Gefördert aus Mitteln der Stadt Wien

Aus der zweiten Ausgabe von kültüř gemma! wurden folgende Stipendiat_innen gewählt:

Yassine Zaaitar

Ich heiße Yassine Zaaitar, bin 29 Jahre alt und habe Marokko vor langem „illegal“ in Richtung Europa verlassen. Derzeit wohne ich in Wien, seit etwa einem Jahr, bin verheiratet und warte auf meine Dokumente. Ich war Fußballer – momentan spiele ich beim FC Sans Papier–, aber in den letzten Monaten habe ich mich an einigen politisch-künstlerischen Projekten im Umfeld des Wiener Refugee Camp beteiligt. Filmen, Fotografieren und Aufzeichnen sind mittlerweile zu einer Art Leidenschaft geworden, aber ich schreibe auch Rap-Texte und mache Musik.

Statement von Fatima Spar zu Yassine Zaaitar:

Yassine Zaaitar wurde von uns, der Jury ausgewählt, weil er uns als junger und politisch aktiver Künstler beeindruckt hat. Seine erste und bisher einzige Arbeit, ein Dokumentarfilm, hat uns, die Jury überzeugt. Sein Film ist stark, interessant, informativ und berührend. Yassine ist ein aus Tunesien stammender sogenannter Harraga, einer der ohne Papiere nach Österreich immigriert ist. Erst in Österreich wurde er, ehemaliger Fußballer, zum Filmemacher. Sein neues, gefördertes Projekt, ein Dokumentarfilm über die Harraga, basiert auf einem soliden und guten Konzept. Der Produktionsplan ist realistisch. Mit der Förderung von kültür gemma, und der Unterstützung einer gut vernetzen Gruppe, wird es Yassine möglich sein den Film in einem Jahr fertig zu stellen. Ein Film aus der Sicht eines Harraga, der im Gespräch mit Betroffenen Themen wie Isolation, Gefangenschaft, Gewalt, Kriminalität, Ökonomie und Organisation der Harraga behandelt. Er wird dokumentieren wie es Menschen ergeht die ins Vergessen abgedrängt werden und seine eigenen Erfahrungen mit dem Zuschauer teilen, also auch sich selbst in die Handlung mit einbeziehen. Das prekäre Thema illegale Einwanderung sollte öffentlich viel mehr diskutiert werden und weitaus mehr Aufmerksamkeit bekommen als es der Fall ist. Dank Yassine Zaaitar werden wir erfahren wie sich ein Harraga in seiner Haut fühlt. Sein Thema, sein Konzept, seine bisherige künstlerische Leistung und zu guter Letzt seine finanzielle Lage hat uns, die Jury dazu bewogen für ihn zu stimmen.

Jelena Popržan:

Jelena Popržan, Bratschistin und Sängerin wurde 1981 in eine Künstlerfamilie in Novi Sad geboren. Ihre Ausbildung schloss sie an der Belgrader Universität und ihr Masterstudium in Graz, beide mit Auszeichnung, ab. Schon vor und während ihrer klassischen Ausbildung streckte sie ihre Fühler in andere musikalische Genres aus. Mit drei Ensembles ist sie auf Österreichs, Europas und mittlerweile internationalen Bühnen präsent: Catch-Pop String-Strong (mit Rina Kaçinari), Sormeh (mit Golnar Shahyar und Mona Matbou Riahi) und dem World/Jazz/Rock-Quartett Popržan/Jokić/Neuner/Petrova.

Statement von Ruby Sircar zu Jelena Popržan:

Jelena Poprzans Arbeit zur Geschichte des Wienerliedes und die zeitgenössische Re-Interpretation waren ausschlaggebend für die Wahl zur kültür gemma!-Stipendiatin. Der spielerische Ansatz unterschiedlichste Narrativen zu verbinden und diese musikalische experimentell umzusetzen, sowie einen hörbaren Brückenschlag zwischen möglichen kulturell-imaginierten Rhythmen und Klangskalen zu schaffen war sehr überzeugend. Durch das Stipendium wird Jelena Poprzan die Möglichkeit haben ausserhalb ihres sonstigen Performanceprogramms konkret an dem Projekt eine neue musikalische Sprachlichkeit, rund um das sogenannte Wienerlied, zu entwickeln.

Srđan Knežević

Geboren 1980 in Novi Sad, Serbien. Nach Abschluss einer Höheren Graphikschule für Design und Fotografie studierte er Literaturwissenschaft an der Philosophischen Fakultät in Novi Sad. Zu dieser Zeit besucht er auch zahlreiche Slawistik-Kongresse und Kurse für Kreatives Schreiben. Während des Studiums der Literaturwissenschaft war er Mitglied des Künstlerkollektivs ZONA, in dem er Kurzgeschichten und Gedichte publizierte. Ausserdem nahm er an Lesungen und Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit dem Kulturzentrum Novi Sad teil. Währenddessen veröffentlichte er diverse Kurzgeschichten und Poesie in Antologien und Literaturmagazinen in Serbien. Eine grosse Zesur war der Umzug nach Wien, wo Srdjan Knezevic studierte und nebenbei im sozialen Bereich tätig war. 2013 schloss er das Studium der Slawistik mit seinem Diplomarbeitsthema "Intermedialität in südslawischen Gegenwarts Literaturen" ab.

Statement von Barbi Marković zu Srđan Knežević :

Wenn Marcel Proust in Novi Sad in einer mittelarmen Familie zur Welt gekommen, und Anfang 2000er nach Wien emigriert wäre, wäre aus ihm Srđan Knežević geworden. Mit einer minutiösen Feinfühligkeit widmet sich Knežević den kleinsten und gewöhnlichsten Objekten seiner Erinnerungen und behandelt durch sie schwierigere Themen wie Migration und Homosexualität. Dieses Stipendium wird ihm ermöglichen, seinen ersten Roman fertigzustellen, und aus seiner unbequemer Zwischenposition doch in der Literaturszene Fuß zu fassen.

Ivana Marjanović:

Ivana Marjanovic, born in Yugoslavia; since 2006 lives in Vienna. She is an art historian, cultural studies researcher, author, curator and cultural producer in the field of contemporary arts and theory; co‐founder of the Kontekst Gallery in Belgrade and member of Kontekst Collective. Her research interests are interdisciplinary and are situated at the intersection of cultural production, arts and politics, shaped by curating in the context of post‐Yugoslavian transitional space and academic engagement and teaching in Austrian migratory society. Published and co-edited books, essays and others texts, in different languages.

Statement von Carlos Toledo zu Ivana Marjanović:

Was ist Migration? In der Kontinuität vom Kolonialismus, Zwangsarbeit und „Gastarbeit“ dient Migration dazu, „billige“ ArbeiterInnen zu haben (Mehrwert zu produzieren). Migration ist Teil der Geschichte von Ausbeutungsbeziehungen. Mit Pfusch Baustelle versucht Ivana Marjanovic im Kollektiv und durch nicht hierarchische Strukturen einen Bruch (in dem Fall „Pfusch“) in der Erzählung von Arbeit, und zwar durch Ausdruckformen der Kunst (und Theorie), zu erzeugen. Der (symbolische) Mehrwert in der Kulturarbeit ist überwältigend und wird benutzt, um Imperative der Exklusion zu zerstören („reinpfuschen“). Ich verstehe das Stipendium von Kültürgemma auch als Förderung von KünstlerInnen, die künstlerisch und theoretisch den Begriff Migration erweitern.

  • Galia Baeva

    Galia Baeva

    Projektleitung

    Galia Baeva studierte Kunstgeschichte, Kunstwissenschaften und Philosophie in Sofia, Wien, Florenz und anschließend in Linz. Seit 2006 ist sie als Projektleiterin in diversen Kulturprojekten und Initiativen tätig. Aktuell arbeitet sie als Projektleiterin an der Schnittstelle Kulturproduktion und politische Bildung in Verein maiz.

  • Marissa Lôbo

    Marissa Lôbo

    Projektleitung

    Marissa Lôbo, 1975 in Brasilien geboren, und studierte Geschichte in Bahia. Sie lebt seit elf Jahren in Europa. Nach Stationen in Italien und Portugal ist Marissa Lôbo seit sechs Jahren in Österreich. Sie ist Koordinatorin der Kulturabteilung des Vereins Maiz, einer Selbstorganisation von Migrant_innen, wo sie Projekte zwischen kultureller und politischer Bildung realisiert. Die Preisträgerin des Willemer Preises ist Aktivistin, die sich in der Schwarzen- und MigrantInnen-Bewegung engagiert und versucht programmatisch Politik, Bildung und Kunst zu verbinden. In diesem Zusammenhang entstanden verschiedene, oft performative Arbeiten. Seit 2008 studiert sie an der Akademie der bildenden Künste in Wien in der Klasse postkonzeptuelle Kunst.

  • Catrin Seefranz

    Catrin Seefranz

    Projektleitung

    Catrin Seefranz, lebt und arbeitet in Wien und mitunter Zürich. Sie ist Kulturwissenschaftlerin und Lateinamerikanistin, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Zürcher Hochschule der Künste, arbeitet an verschiedenen Projekten zwischen brasilianischem Modernismus und zeitgenössischem Kunstfeld. Die Projekte verbindet ein Interesse für gegenhegemoniale Praktiken im Kunstfeld, sowie eine kritische, historische und de-koloniale Perspektive auf aktuelle Paradigmen und Praxen wie künstlerische Forschung oder Vermittlung. Viele Jahre lang im Feld von Kunst und Kultur tätig, unter anderem als Leiterin der Kommunikation des Vienna International Film Festival Viennale oder der documenta 12.

  • Tchoubrinka Jekova

    Tchoubrinka Jekova

    Finanzkoordination

    Tchoubrinka Jekova, 1975 in Sofia, Bulgarien geboren, lebt und arbeitet in Wien. Nach ihrem Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Wirtschaftsuniversität Wien ist sie im Bereich Finanz, Buchhaltung und Wirtschaftsprüfung tätig. Sie war Assistentin für Wirtschaftsprüfung bei der Examina Revisions-,Treuhand- und Beratungsges.m.b.H. und 2007-2009 Projektmitarbeiterin am Institut für Österreichisches und Internationales Steuerrecht der WU Wien, dort auch für Buchhaltung und Finanzen zuständig. Seit 2001 ist sie Geschäftsführerin der Travel Express Reisebüro GmbH.

Gefördert aus den Mitteln der Stadt Wien, Kulturabteilung (MA 7)
www.wien.gv.at/kultur/abteilung/


Wien Kultur

StipendiatInnen

Chui Yong Jian

Chui Yong Jian ist Film- und Medien-Künstler aus Singapur. Derzeit macht er seinen Abschluss an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Darüber hinaus ist er tätig in der AG Plattform-Geschichtspolitik. 2009 erhielt er einen Preis beim Singapore International Film Festival.

„In einem früheren Leben war Chui Yong Jian, Cain eine konstante Figur in der Independent-Film-Industrie in Singapur. Als einer der 8 Kameraleute, die den Preis für beste Kamera beim Singapore International Film Festival in Singapur 2009 für das Lucky 7-Projekt, eine Omnibus Spielfilmproduktion gewonnen haben, fuhr Cain fort an verschiedenen Filmproduktionen, die international bekannt wurden, als Art Director und Kameramann zu arbeiten. Seit seinem Studium an der Akademie der bildenden Künste Wien war Chui Yong Jian, Cain an einer Reihe von anti-diskriminierende Initiativen innerhalb und außerhalb der Hochschule beteiligt.

Cain arbeitet derzeit an seinem Diplom-Projekt an der Akademie der bildenden Künste Wien, eine Arbeit, die die kolonialen Überreste innerhalb der heutigen Gesellschaft von Singapur untersucht. Er interessiert sich für queere und de-koloniale theoretische Methoden als emanzipatorische Werkzeuge und versucht solche Modelle im Rahmen von Videoinstallationen auszubauen. Das Brechen der archaischen Dualität des singulären Rahmens. “ (Chui Yong Jian)

Das Projekt:

Sein Projekt Dis-Assembly. A re-staging of the Congress of Vienna greift den 200. Jahrestag dieses geschichtsmächtigen Ereignisses auf. Gemeinsam mit politischen AktivistInnen plant Chui Yong Jian eine Reinszenierung des Wiener Kongresses im Rahmen einer Videoinstallation. In der Arbeit soll die Entwicklung von Imperialismus und Kolonialismus hin zum heutigen Kapitalismus nachgezeichnet werden. Die rassistischen Bürokratiebemühungen der 1814 gezogenen Grenzen sollen im Heute entlarvt werden.

“Dis-Assembly soll eine Videoinstallation sein, die Fragmente des Wiener Kongresses reinszeniert und eine gleichzeitige Analyse seiner Auswirkungen auf die heutige soziale politische Situation in Europa aus der Perspektive der MigrantInnen vornimmt, sowohl interne als auch nach Europa und im Ausland, die durch die Veranstaltung des Wiener Kongresses betroffen wurden und werden. Um mehr über die Themen Grenzen, Sicherheit, Kolonialismus und Hierarchie, die weniger besprochenen Probleme innerhalb der Gegenwart, im Kontext zu Analysen des Kongresses zu sprechen.

Die Absicht der Arbeit ist es, die Entwicklung des Imperialismus und des Kolonialismus hin zum modernen Kapitalismus zu entlarven und die rassistischen bürokratischen Strukturen die daraus geboren wurden, in den kolonialen und kolonialisierten Bereichen zu enttarnen. Um die Grenzen die teilen und verweigern in den Handelszentren und ihren Peripherien zu kommentieren. Um auf die Geschichte, ihre Bedeutung und ihre angebliche Entwicklung zu reflektieren. Und um die Notwendigkeit der Demontage der Strukturen und Grundlagen, die die modernen europäischen Staaten und ihre Ex-Kolonien plagen, zu verdeutlichen.“ (Chui Yong Jian)

Seda Tunc

Seda Tunc wurde 1983 in Izmit in der Türkei geboren. Nach der Absolvierung ihres Bachelor Studiums in Istanbul hat sie in Wien das Masterprogramm am Institut für anglophone Literatur und Kultur begonnen. Derzeit arbeitet sie an ihrer Abschlussarbeit mit dem Titel “Beginnings: An Analytical Approach to Short Story Beginnings”. Darüberhinaus beschäftigt sie sich mit Malerei und Musikkritik.

Eine frühe Kindheit im Norden - Schwarzes Meer - im Süden - kurdischen Gebiet, damals ein "Notstand" - und im Osten der Türkei - oh, liebe Großmutter! -. Der ultimative Stop, Istanbul: Binnen-Migrations-Pool. Es wird gesagt, Istanbuls Boden und Stein sei aus Gold. Ich denke, Boden und Stein bestehen aus den Stückchen einer übervölkerten und dysfunktionalen Stadt.

Eine frühe Kindheit im Norden - Schwarzes Meer - im Süden - kurdischen Gebiet, damals ein "Notstand" - und im Osten der Türkei - oh, liebe Großmutter! -. Der ultimative Stop, Istanbul: Binnen-Migrations-Pool. Es wird gesagt, Istanbuls Boden und Stein sei aus Gold. Ich denke, Boden und Stein bestehen aus den Stückchen einer übervölkerten und dysfunktionalen Stadt.

Nachdem ich immer das Gefühl hatte von Literatur und Malerei gleichermaßen eingewickelt zu sein, habe ich Literatur studiert und wurde ein treuer Fan von geschriebenen Worten. In Istanbul, wo ich das Glück hatte meinen Lebensunterhalt mit dem Schreiben zu verdienen, war ich als Musikkritikerin für eine der größten und alternative Musik Zeitschriften tätig. Diese ging in Konkurs und versuchte, digital weiterzuarbeiten aus der Asche des Papiers. Nach dem Schicksal des Printmediums, arbeitete ich in einem Kino, in einem Restaurant und in einem Second-Hand-Buchladen. Dann habe ich jemanden geliebt und buchte ein Ticket nach Wien im April 2008.

Nach dem Start Master Studium der Literatur in Wien, habe ich versucht, eine Menge, um jede journalistische Arbeit zu finden - all die Versuche nur auf Computer-Bildschirmen blieb. Ich habe als Sozialarbeiter gearbeitet und als türkischer Lehrer, ich bin als freier Mitarbeiter für das Projekt arbeiten INPUT - eine vergleichende psycholinguistische Forschung Institut für Sprachwissenschaft, Universität Wien hat unter türkischen und deutschsprachigen Kindern. Abgesehen von diesen temporären Engagements, um meinen Lebensunterhalt zu verdienen Ich habe permanent Babysitting, seit meiner Ankunft in Wien.” (Seda Tunc)

Das Projekt:

Ihr Projekt besteht aus der Konzeption und Ausarbeitung eines Sammelbandes von Kurzgeschichten. Mosaikhaft sollen die einzelnen Geschichten nebeneinander stehen können, als Ganzes besehen jedoch ein sinnvolles Bild ergeben.

In meinem Projekt, hat die Wahl des Genres "Kurzgeschichte" als literarische Form einen eigenen Grund: Anders als bei einem Roman oder einem Poesie-Projekt bietet eine Sammlung von Kurzgeschichten einen Einblick in mehr Perspektiven und multiple Realitäten. Die Kurzgeschichte ist ein ganz besonderes Geschöpf, im Falle dieses Projekts, ist sie sowohl das Medium und das Objekt selber. In jeder Geschichte gibt es eine Möglichkei für ein anderes Thema und eine neue Perspektive. Charaktere besitzen nicht genügend Platz für die Beschreibung einer allmählichen Veränderung, so dass es um das fiktive "jetzt" und das fiktive "hier" gehen muss.

Das besprochene Buch-Projekt hat eine in sich und außer sich verwobene Konstruktion: Jede Geschichte und ihre Hauptfigur - genau wie jedeR einzelnE im non-fiktionale Leben - ist unabhängig und zur gleichen Zeit beteiligt an, auch wenn es nur ein wenig ist, als Nebenfigur, in einer anderen Geschichte . Egal, wie autonom die Geschichten auf Mikro-Ebene sind, die Charaktere sind holistisch betrachtet ineinander verschlungen: beim Warten auf das Flugzeug am Flughafen, in der Geschichte von einer Lampe in einem Café, bis sie abgeschalten wird, an dem arbeitsfreien Tag einer jungen Frau. Diese Struktur wird mir einen spielerischen Weg bieten in mosaikartiger Bauweise zu arbeiten.

(Nicht-) Kommunikation, Gender-Fragen, soziale und nationale Grenzen, Ausgestoßenheit, Fragmentierungen in vielerlei Hinsicht, und der Begriff der Zeit sind zentrale Themen in meinen Schriften.

Selma Doborac
Asoo Khanmohammadi

Asoo Khanmohammadi, 1980 im Iran geboren, studierte nach ihrer ersten Migration Fotografie in Teheran, kam 2010 nach Wien, und studiert an der Universität für Angewandte Kunst weiter Fotografie. Ihre Arbeiten wurden in verschiedenen Ausstellungen im Iran und in Europa gezeigt. 2008 realisierte sie Absence, eine Serie, die die Schauplätze von Selbstverbrennungen junger Frauen in der westiranischen Provinz Ilam aufsucht. Mit ihrem Projekt im Rahmen von kültür gemma! Eva vor Stunde Null knüpft sie an diese Arbeit an.

“Die junge Konzeptkünstlerin Asoo Khanmohammadi wird in den 80er Jahren in Ghassr-e Schirin, im iranischen Kurdistan geboren. Sie beginnt ihr Leben in einer Gesellschaft, die kaum Respekt vor weiblichen Wesen empfindet, diese als Gebärmaschine und Lustobjekt be- und ausnützen, sie als halbwertig und ungültig betrachten, und ausgehend von diesen Annahmen von ihnen totale Selbstaufgabe und Unterwerfung erwartet. Widerstand seitens der Frauen ist daher nicht legitim und wird mit brachialer Gewalt unterdrückt. Die Künstlerin wuchs in dieser autoritären Struktur auf und obwohl sie durch ein progresives familiäres Umfeld geprägt ist, bleibt die Angst versteckt in tausend tiefen Schichten ihres Bewußtseins. Asoo Khanmohammadi migriert deshalb nach einschlägigen künstlerischen Aktivitäten und abgeschlossenem Kunststudium nach Wien und wird als erste iranische Studentin in der Klasse Fotografie an der Universität für angewandte Kunst Wien aufgenommen. In Wien setzt sie voraus, dass hier die Gewalt an Frauen endet! Dass die Moderne Welt Wege und Möglichkeiten gefunden hat, nackte Gewalt an Frauen zu verhindern. Ihre Konfrontation mit dem gleichen Thema, diesmal in der Metropole Wien, ist der zentrale Punkt bei dem Projekt: Eva vor Stunde Null.” (Gorji Marzban)

Jury

Lisa BOLYOS

Lisa Bolyos arbeitet als Redakteurin bei der Zeitung Augustin. Sie hat die „Plattform Geschichtspolitik“ und die Organisierung „1. März transnationaler Migrant_innenstreik“ mitinitiiert und interessiert sich vor allem für solche Kunst, die Positionierungen nicht scheut. Sie ist Co-Herausgeberin der Publikation „Diktatorpuppe zerstört, Schaden gering. Kunst und Geschichtspolitik im Postnazismus“

Yasmina HADDAD

Yasmina Haddad, geboren in Beirut, lebt in Wien, ist Künstlerin, Fotografin und Ko-Kuratorin Performative Screenings von School, Wien. Sie lehrt an der Hochschule für Gestaltung, Basel und fotoK, Wien. Mehr unter: weloveschool.org und yasminahaddad.com

Ivan JURICA

Ivan Jurica ist Künstler und Kunstvermittler. 2009 hat er das Studium an der Akademie der bildenden Künste in Wien abgeschlossen. Er arbeitet an der Schnittstelle von Kunst, Theorie und Politik. Die Themen der individuellen und kollektiven Arbeiten fokussieren die Beziehung zwischen Osteuropa und dem West, in diesem Sinne dann Kunstgeschichte und Ideologie. Momentan ist er Doktorand an der Akademie der bildenden Künste in Bratislava mit dem Thema der historischen Paralellen der Kolonialität im zentraleuropäischen Raum, sowie Teil des kollektiven Projektes um AIDS/HIV als governementales Instrument in der Galerie IG Bildende Kunst. Seit 2006 tätig in der Kunstvermittlung im mumok, Wien. Lebt und arbeitet in Wien und Bratislava.

Nina KUSTURICA

Nina Kusturica, geboren 1975 in Mostar, Bosnien-Herzegowina, aufgewachsen in einer Künstlerfamilie in Sarajevo, lebt seit 1992 in Wien und arbeitet als Regisseurin, Cutterin, Autorin und Produzentin. Regie- und Schnitt- Studium an der Filmakademie Wien. Nina Kusturica realisierte zahlreiche Dokumentar- und Spielfilme, die auf nationalen und internationalen Filmfestivals gezeigt und prämiert wurden, Morgen ist mein Tag 2011, Little Alien 2009, 24 Wirklichkeiten in der Sekunde - Michael Haneke im Film 2004 (Ko-Regie), Auswege 2003, Draga Ljiljana 2000, Wishes 1999, Ich bin der Neue Star 1997. Zeitweise schreibt Nina Kusturica Artikel und Beiträge für Zeitschriften und Publikationen, hält Gastvorlesungen an Universitäten und Instituten europaweit.

Aslı KIŞLAL

Aslı Kışlal, geboren 1970 in Ankara, lebt und arbeitet in Österreich und Deutschland als Regisseurin, Dramaturgin, Drehbuchautorin. Seit 1991 Engagements als Schauspielerin in Österreich und Deutschland, langjähriges Ensemblemitglied des Theaterhauses Stuttgart.
Nach Gründung und Organisation des Jugend- und Kulturvereins Echo gründete sie 2004 den Kunst- und Kulturverein „daskunst“, mit einem 30-köpfigen Ensemble, das seitdem jedes Jahr zwei große Produktion und kleinere Kunst- und Kulturprojekte umsetzt und ist seither dessen künstlerische Leiterin. 2011-2012 Initiatorin und Kuratorin der Projektreihe “Pimp my Integration” mit und in Garage X.
 2012 war sie bei 2 Produktionen Gastregisseurin beim Landestheater Linz / U-Hof. Seit 2013 leitet sie mit Carolin Vikoler das “Diversity-Labor” im Artspace des Kabelwerk in Wien.

Maja OSOJNIK

Die in Wien lebende slowenische Musikerin Maja Osojnik studierte an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien und Jazzgesang an der Musikuniversität und an der Konservatorium Wien Privatuniversität. Maja Osojnik wurde mit mehreren Preisen und Stipendien ausgezeichnet: u.a. “Publicity Preis 2007” des SKE, 3. Preis und Kompositionspreis bei Gradus ad Parnassum 2003, IYAP – EM 2004, „Voices“ Jazz Fest Wien Award 2005, 2008/09 Bank Austria Artist of the Year, das österreichische Staatskompositionsstipendium und Passticio Preis im 2009. Sie konzertiert europaweit auf annerkannten Bühnen und Festivals mit verschiedenen Formationen, u.a. Maja Osojnik Band, broken.heart.collector, Rdeča Raketa, FRUFRU, Subshrubs, Ensemble MIKADO, Low Frequency Orchestra, Binar und arbeitet bei vielen anderen Projekten als Gast mit.

Julya RABINOWICH

Julya Rabinowich, geboren 1970 in St. Petersburg, entwurzelt und nach Wien umgetopft 1977, wo sie auch studierte. Autorin (zahlreiche Theaterstücke), Malerin und Simultandolmetscherin. Im Standard erscheint wöchentlich ihre Kolumne Geschüttelt, nicht gerührt. Für ihren Debütroman Spaltkopf (2008) erhielt sie u.a. den Rauriser Literaturpreis (2009). Auch die im Februar 2011 erschienene englische Übersetzung des Romans Spaltkopf (bei Portobello unter dem Titel Splithead) ist ein vielbeachteter Erfolg (nominiert für den International Impac Dublin Literary Award 2013) Bei Deuticke erschienen zuletzt Herznovelle (2011, nominiert für den Prix du Livre Européen) und der Roman Die Erdfresserin (2012).